Themen Wirtschaftsprüfung

Leasingbilanzierung nach IFRS 16 – Hausaufgaben gemacht?

Der Right-of-Use-Ansatz aus Sicht von Leasingnehmern im Überblick – Hohe Anforderungen an eine umfassende und vollständige Inventarisierung aller Verträge und Angaben

Der neue IFRS-Leasingstandard erfordert vor dem Hintergrund der geringen Bedeutung von Ausnahmetatbeständen und der Vielzahl an Angaben eine frühzeitige und systematische Vorbereitung.

Neue Regelungen zum Leasing

Nach Jahren mit tendenziell eher geringen Änderungen der IFRS, stehen insbesondere mit IFRS 9 (Finanzinstrumente), IFRS 15 (Umsatzrealisierung) und IFRS 16 (Leasing) größere Veränderungen an bzw. ergibt sich für alle IFRS-Bilanzierer Handlungsbedarf. Während IFRS 15 bereits in 2018 zur Anwendung kommt, gelten die neuen Leasingregelungen ab spätestens 1. Januar 2019.


Dem neuen Leasingstandard liegt das Right-of-Use-Konzept zugrunde. Das heißt, es wird zukünftig keine Unterscheidung von Finance- und Operating-Lease geben, sondern es erfolgt vielmehr eine bilanzverlängernde Bilanzierung von Nutzungsrechten und Leasingverbindlichkeiten. Aufgrund der Abschreibung des Nutzungsrechts und der Erfassung von Zinsaufwendungen ergeben sich neben den Effekten auf Bilanzkennzahlen (insb. Net Debt Position) zudem Auswirkungen auf EBIT -/EBITDA - Kennzahlen (Ausweisverschiebungen und Front-Load-Effekte).


Vereinfachungsregeln (Bilanzierung analog zur bisherigen Praxis bei Operating-Lease) greifen nur in zwei Ausnahmefällen: Short-Term- Leases und Low-Value-Leases. Als Short-Term-Leases gelten alle Verträge (ohne Kaufoptionen) mit einer (Rest-)Laufzeit von unter zwölf Monaten. Als Low-Value -Leases gelten Verträge über Leasinggegenstände, die einen geringen Neuwert haben. Als Richtgröße werden 5.000 USD diskutiert.

Inventarisierung

Unabhängig davon, ob ein Right-of-Use-Ansatz zu erfolgen hat bzw. ein Vereinfachungstatbestand vorliegt, ergeben sich eine Vielzahl von Notes-Angaben, d. h. zunächst ist eine konzernweite Inventarisierung aller potenziellen Leasingverhältnisse vorzunehmen. Es gilt zu beurteilen, ob ein identifizierbarer Vermögenswert vorliegt und ob der Leasingnehmer das Recht hat, über die Nutzung des Vermögenswertes zu verfügen („control“) und ihm im Wesentlichen der gesamte wirtschaftliche Nutzen während der Laufzeit der Leasingvereinbarung zufließt.

Bilanzierung

Der Ansatz der Right-of-Use-Vermögenswerte erfolgt zu Anschaffungskosten, die neben dem Zugangswert der Leasingverbindlichkeit auch Leasingzahlungen vor oder zu Beginn des Leasingverhältnisses abzgl. etwaiger Anreizzahlungen, anfängliche direkte Kosten sowie Kosten aus Rückbau oder Rekultivierung umfassen. Die Leasingverbindlichkeiten ergeben sich als Barwert der festen und quasi-festen Zahlungen, ggf. erwarteten Zahlungen aus Restwertgarantien, Ausübungspreisen von Kaufoptionen und und anderen erwarteten Strafzahlungen.


Die Ermittlung des Barwertes erfolgt durch Diskontierung mit dem impliziten Leasing-Zinssatz. Da dieser i. d. R. nicht bekannt sein dürfte, erfolgt alternativ die Ermittlung mit dem Grenzfremdkapitalzinssatz. Dies ist der Zins, zu dem eine Mittelaufnahme mit ähnlicher Laufzeit und Besicherung erfolgen würde, der eine Finanzierung des Leasingvermögenswertes in einer vergleichbaren Situation ermöglicht.

Fazit

Neben der Identifkation von Leasingverhältnissen spielen also eine Vielzahl von Angaben zu Laufzeiten, Kündigungsrechten, Verlängerungs- und Kaufoptionen, fixen und variablen Komponenten der Gegenleistungen und Angaben zur Zusammensetzung der Gegenleistungen (z. B. Anteile für Serviceleistungen) eine wichtige Rolle. Komplexität und zeitlicher Aufwand sind hierbei nicht zu unterschätzen. Darauf basierend hat die entsprechende Bilanzierung zu erfolgen. Unser excelbasiertes Tool zur Leasingbilanzierung kann Sie unterstützen, eine systematische Erfassung der notwendigen Parameter zu gewährleisten und die Einstufungen samt der vielfältigen sich anknüpfenden Notesangaben und Bilanzierungskonsequenzen rechtzeitig zu ermitteln und zu dokumentieren.

Ihr Ansprechpartner

Bastian Wenk

E-Mail: Bastian.Wenk@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 4111


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