Themen Unternehmensberatung

Verbrauchsstiftungen: Sinnvolle Nutzung des Stiftungspotentials

Giving while living? Die Verbrauchsstiftung ist eine sinnvolle Alternative, um mehr Einfluss zu nehmen und Stiftungsziele in einem definierten Zeitraum zu verwirklichen.

Seit 2013 ist eine Variante zur herkömmlichen Stiftung „auf Ewigkeit“ auch gesetzlich normiert. Wie können Neugründungen und bestehende Stiftungen davon profitieren?

Einfluss und Nutzen erhöhen

Die Verbrauchsstiftung zeichnet sich dadurch aus, dass sie zeitlich befristet (zeitbestimmte Verbrauchsstiftung) errichtet wird oder die Stiftungszwecke durch Verbrauch des gestifteten Vermögens (zweckbestimmte Verbrauchsstiftung) erfüllt werden sollen. Die Verbrauchsstiftung kann ihre laufenden Einnahmen inkl. des Stiftungsvermögens in einem definierten Zeitraum vollständig für ihre satzungsmäßigen Zwecke verwenden. Ist der Stiftungszweck erfüllt oder die festgelegte Lebensdauer erreicht, endet ihr Bestehen. Damit wird sie zu einer attraktiven Option für Gründungsinteressenten und unternehmerisch-orientierte Stifter, die mehr Einfluss auf Management und Geschehen nehmen und die Verwirklichung ihres Stiftungsziels möglichst miterleben wollen.


Hierfür setzt die gesetzliche Anerkennung ein Bestehen von nicht weniger als 10 Jahren (strittig) voraus, wobei die Zweckverwirklichuung in diesem Zeitraum dauerhaft zu sichern ist. Stiftungsbehörden stehen Verbrauchsstiftungen heute offen gegenüber und bei Vermögen unter 1 Mio. Euro wird diese Alternative sogar empfohlen. 

Vorteile in Zeiten stagnierender Finanzmärkte

Für die Gründung einer Verbrauchsstiftung bzw. Wandlung einer Stiftung auf Ewigkeit in diese Stiftungsform sprechen auch die stagnierenden Entwicklungen der Kapitalmärkte. Zudem lassen sich ursprünglich erwartete Spenden- und Zustiftungserwartungen heute oft nicht mehr realisieren. Die Konsequenz für eine dauerhaft errichtete Stiftung? – Deren Zwecke und Ziele werden im Zweifel nur teilweise oder gar nicht realisiert.


Eine Verbrauchsstiftung dagegen kann ihre Vorhaben – z. B. die Bekämpfung einer Krankheit, die Förderung eines Forschungsprojektes oder einer sozialen Einrichtung – schneller und effizienter erreichen, da durch die Vollausschöpfung des Vermögens höhere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Satzungen flexibel halten

Die Stiftungslandschaft insgesamt wandelt sich: An die Stelle des Stifters als „Denkmal“ treten zunehmend jüngere Unternehmer, die etwas im „Hier und Jetzt“ bewegen wollen. Auch wer sich bei einer Stiftungsgründung ad hoc noch nicht für eine Verbrauchsstiftung entscheiden will, sollte den Verbrauch des Vermögens als Option in der Stiftungssatzung verankern lassen. Alternativ kann die Stiftung (parallel zu ihrem nicht verbrauchbaren Vermögen) mit einem ver-brauchbaren Anteil (Hybridstiftung) ausgestattet werden.


Aber auch Ewigkeitsstiftungen profitieren von der neuen Stiftungsform, indem sie ihren Organen die Befugnis zur Umwandlung in eine Verbrauchsstiftung einräumen. Um ihren künftigen Herausforderungen gerecht zu werden, hat beispielsweise die RWE-Stiftung im Jahr 2014 ihre Finanzkraft für gezielte Projektarbeit erhöht, indem sie neben den Erträgen auch vorhandenes Stiftungskapital einsetzt. Auf diesem Wege sollen in einem fünfzehnjährigen Zeitraum nachhaltige Lösungen für drängende Energiefragen entwickelt werden.

Heute an morgen denken

Grundsätzlich eignet sich die Verbrauchsstiftung für jede Privatperson oder jedes Unternehmen als effizientes Instrument, um sich für das Gemeinwohl als Stifter in einem zeitlich definierten Rahmen zu engagieren. Das eingebrachte Vermögen dient bewusst nicht als dauerhafte Ertragsquelle, sondern der direkten Zweckerfüllung. Steuerlich attraktive Potentiale eröffnen sich darüber hinaus auch im Bereich der Nachfolgeplanung und für Familienstiftungen.

Der Faktor Zeit

Das persönliche Stiftungsziel vor Augen ist die Wahl der „richtigen“ Form gemeinsam mit Finanz-, Steuer- und Stiftungsexperten sehr sorgfältig zu prüfen:

Im Fokus stehen die Aufgabe und die davon abzuleitenden Erfordernisse für ihre operative Umsetzung. Effiziente Strukturen, steigendes Know-how und wachsende Reputation können zu nachhaltigen Assets einer Stiftung werden – oft sind sie sogar unverzichtbar. Stiftungsmodelle für nachhaltig angelegte, soziale oder karitative Ziele aber brauchen Zeit, um ihre Wirksamkeit voll zu entfalten.


Wir beraten Stifter und Gründungsinteressenten gezielt, um sowohl traditionelle wie auch neue Potentiale optimal zu erschließen.

Ihr Ansprechpartner

Birgit Quiel

E-Mail: birgit.quiel@falk-co.de


Kathrin Mindnich

E-Mail: Kathrin.Mindnich@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


Diese Website verwendet Cookies zu Analysezwecken und um sicherzustellen, dass Sie unsere Website optimal nutzen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.