Themen Steuerberatung

Steuersparmodell „Homeoffice"?

Bundesfinanzhof relativiert mit Urteil vom 17.04.2018 steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer mit Homeoffice

Das Homeoffice wird zunehmend zum Standard in der modernen Arbeitswelt von heute. Damit stellt sich aus Sicht des Arbeitnehmers zwangsläufig die Frage, ob und inwieweit sich die anfallenden Kosten bei ihm steuerlich auswirken. 

Steuerliche Auswirkungen eines Homeoffice

Arbeitnehmer, die Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit beziehen, können die hiermit zusammenhängenden Kosten steuermindernd als Werbungskosten geltend machen.


Zu den Werbungskosten gehören grundsätzlich auch die anteiligen Kosten, die dem Arbeitnehmer aufgrund eines häuslichen Arbeitszimmers entstehen, z. B. für Miete, Heizung oder Strom. Grundlegende Voraussetzung hierfür ist die (fast) ausschließliche berufliche Nutzung des Homeoffice. Die anfallenden Kosten können ausnahmsweise in voller Höhe berücksichtigt werden, wenn das Homeoffice den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet. In Einzelfällen können die Kosten in begrenztem Umfang – bis zu EUR 1.250 jährlich – berücksichtigt werden, wenn kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist (z. B. bei Lehrern). In allen anderen Fällen scheidet ein Werbungskostenabzug aus.


Ist vereinbart, dass der Arbeitgeber die Kosten des Homeoffice dem Arbeitnehmer ersetzt, entsteht zusätzlicher steuerpflichtiger Arbeitslohn, der dem Lohnsteuerabzug unterliegt. In seiner persönlichen Steuerveranlagung kann der Mitarbeiter dann unter den genannten Voraussetzungen Werbungskosten geltend machen.

Gestaltung als Mietverhältnis

Sofern ein Homeoffice notwendig ist, gibt es eine steuerliche Gestaltungsmöglichkeit, von der sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren können - die Vermietung des Homeoffice an den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann die vereinbarte Miete – ohne jegliche Abzüge – an den Arbeitnehmer überweisen (ggf. im Zuge einer Gehaltsumwandlung).


Für den Arbeitnehmer stellen erhaltene Mietzahlungen Einnahmen aus Vermietung dar, von denen grundsätzlich die gesamten mit dem Homeoffice zusammenhängenden Werbungskosten abgezogen werden können. Prima facie ist ein vollständiger Werbungskostenabzug möglich, während bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ein Werbungskostenabzug regelmäßig nur in begrenztem Umfang in Betracht kommt.

Was sagt der BFH dazu?

Der BFH hat mit seinem Urteil vom 17.04.2018 - IX R 9/17 das beschriebene Vermietungsmodell unter die Lupe genommen. Zwischen den Beteiligten war strittig, ob die Kosten für die behindertengerechte Renovierung eines Badezimmers, welches Bestandteil des Homeoffice war, als Werbungskosten beim Arbeitnehmer abziehbar sind. Der Arbeitnehmer hatte das Homeoffice – eine Einliegerwohnung – an den Arbeitgeber vermietet und daraus Einnahmen aus Vermietung erzielt.


Der BFH knüpft den steuermindernden Werbungskostenabzug an mehrere Bedingungen:


Erstens bedarf es einer Überschusserzielungsabsicht des Arbeitnehmers, der das Homeoffice vermietet. Diese kann bei der Vermietung von Gewerbeimmobilien - wozu ein Homeoffice zählt – im Gegensatz zur Vermietung von Wohnimmobilien nicht ohne weiteres unterstellt werden. Der Arbeitnehmer muss während der voraussichtlichen Dauer der Nutzung also planmäßig einen Übschuss erzielen. Die Absicht ist im Einzelfall mittels objektbezogener Überschussprognoserechnung darzulegen. Wie diese im Einzelnen auszusehen hat, lässt der BFH in dem Urteil offen.


Zweitens fordert der BFH, dass der Arbeitgeber die Räumlichkeiten aufgrund eines vorrangigen betrieblichen Interesses angemietet hat. Im vorliegenden Sachverhalt bestand das betriebliche Interesse des Arbeitgebers darin, dass er seinem Mitarbeiter (Vertriebsleiter) keinen weiteren Arbeitsplatz in einer eigenen Betriebsstätte bereitstellen musste.


Bereits im Jahr 2004 hatte der BFH den Grundsatz aufgestellt, wonach das vorrangige Interesse an der Nutzung eines Homeoffice entscheidend dafür ist, ob es sich bei der vom Arbeitgeber gezahlten Miete um Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder aus Vermietung handelt. Sobald der Arbeitnehmer über einen weiteren Arbeitsplatz verfügt, ist davon auszugehen, dass der Arbeitgeber das Arbeiten im Homeoffice lediglich gestattet bzw. duldet. In diesem Fall liegt das Interesse der Nutzung des Homeoffice in erster Linie beim Arbeitnehmer. Einkünfte aus Vermietung kommen dann nicht in Betracht.

Fazit

Das Vermietungsmodell ist insbesondere für Arbeitnehmer geeignet, denen kein anderer Arbeitsplatz für ihre berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht. In diesem Fall bietet sich die Vermietung des Homeoffice an den Arbeitgeber an. Hierdurch wird ein vollständiger Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer ermöglicht, selbst wenn in dem Homeoffice nicht der Mittel-punkt der gesamten beruflichen Tätigkeit liegt. Der Arbeitgeber profitiert ebenfalls, da zu den Mietzahlungen keine weiteren Ausgaben (z. B. Sozialversicherung) anfallen.

Ihr Ansprechpartner

Robert Wiemeyer

E-Mail: Robert.Wiemeyer@falk-co.de


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