Themen Steuerberatung

Umsatzsteuer: Auch ein Briefkasten ist eine Anschrift

Finanzverwaltung lockert die formalen Anforderungen für Rechnungen

Mit einem aktuellen Schreiben vom 07.12.2018 schließt sich die Finanzverwaltung der jüngsten Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs vom Juni 2018 an und akzeptiert somit, dass fortan auch eine Briefkastenadresse als Anschrift des leistenden Unternehmers auf der Rechnung ausreichend ist.

Besondere Bedeutung kommt einer Rechnung für den Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers zu. Nur wenn sämtliche im Gesetz aufgelisteten Angaben auf der Rechnung enthalten sind, kommt es bei ihm zur begehrten umsatzsteuerlichen Entlastung. U. a. muss sich auf einer Rechnung die „vollständige Anschrift“ des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers finden.


Seit geraumer Zeit war zweifelhaft, ob für den leistenden Unternehmer beispielsweise eine Briefkastenanschrift ausreichend ist.

Denn die frühere Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs forderte, dass der leistende Unternehmer unter der auf der Rechnung verwendeten Anschrift eine wirtschaftliche Tätigkeit entfalten muss. Erfreulicherweise hat sich der BFH mit mehreren Entscheidungen vom Juni 2018 von seiner früheren Auffassung distanziert und klargestellt, dass jede Art von Anschrift genügt, wenn der Unternehmer unter dieser Anschrift erreichbar ist.


Die Finanzverwaltung hat sich relativ rasch dazu durchgerungen, die Kehrtwende in der Rechtsprechung nachzuvollziehen. Mit ihrem Schreiben vom 07.12.2018 übernimmt sie die Grundsätze des BFH in den Umsatzsteuer-Anwendungserlass. Folglich ist es fortan ausreichend, wenn der leistende Unternehmer in seiner Rechnung irgendeine Anschrift angibt, unter der er erreichbar ist – sei es eine Briefkastenadresse, eine c/o-Anschrift oder ein Postfach. Der Leistungsempfänger

muss also keine weiteren Nachforschungen anstellen, ob unter der angegebenen Anschrift des leistenden Unternehmers tatsächlich wirtschaftliche Aktivitäten entfaltet werden.


Praktische Bedeutung hat diese Entwicklung beispielsweise im Onlinehandel. Selbst wenn Büroräumlichkeiten existieren und dort für eingehende Post ein Briefkasten angebracht sein sollte, wird in vielen Fällen unter dieser Anschrift nicht der eigentliche Betrieb stattfinden. Dennoch kann der Onlinehändler auf Grundlage der aktuellen Entwicklung die Anschrift des Büros bzw. des Briefkastens als Rechnungsanschrift verwenden.


Die Entscheidungen des Bundesfinanzhofs vom Juni 2018 betreffen zwar jeweils die Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers.

Für die Anschrift des Leistungsempfängers kann jedoch nichts anderes gelten. Denn schon in der Vergangenheit hatte die Finanzverwaltung akzeptiert, dass als Rechnungsanschrift des Leistungsempfängers ein Postfach, eine c/o-Adresse oder eine Großkundenadresse verwendet werden kann. Hieran hat sich durch die Neufassung des Umsatzsteuer-Erlasses nichts geändert.


Ihr Ansprechpartner

Gerd Fuhrmann

Steuerberater

E-Mail: gerd.fuhrmann@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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