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Das neue Baukindergeld: Der große Wurf?

Impuls für den Wohnungsmarkt oder einfach Verschwendung von Steuergeldern?

Bezahlbarer Wohnraum ist ein ganz zentrales Thema für den sozialen Frieden in Deutschland. Kann das neue Baukindergeld hier einen wichtigen Impuls leisten, so wie es sich der Gesetzgeber erhofft?

Wer ist begünstigt?

Begünstigt sind Familien mit Kindern und Alleinerziehende, wenn sie (Mit-) Eigentümer (>50%) von selbst genutztem Wohneigentum geworden sind, in deren Haushalt mindestens ein Kind gemeldet ist, das zum Zeitpunkt der Antragstellung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und für das im Haushalt eine Kindergeldberechtigung vorliegt.

Wie hoch ist die Unterstützung?

Das Baukindergeld beträgt EUR 1.200 pro Kind und Jahr und wird über einen Zeitraum von 10 Jahren gewährt. Der Staat beteiligt sich somit an der Familienimmobilie mit EUR 12.000 EUR bei einem Kind, EUR 24.000 EUR bei 2 und EUR 36.000 bei 3 Kindern, wenn die Immobilie 10 Jahre lang bewohnt wird.

Doch wie sieht es denn im Kleingedruckten aus?

Gefördert wird nur der erstmalige Kauf oder Neubau von selbst genutztem Wohneigentum in Deutschland. Wenn also in der Vergangenheit schon eine kleine Wohnung erworben wurde und man nun aufgrund von Familienzuwachs etwas Größeres erwerben möchte, ist man von der Förderung ausgeschlossen. Bei einer vermieteten Wohnimmobilie in Deutschland ist eine Förderung mit Baukindergeld nicht möglich.

Die Krux mit den sogenannten Stichtagskindern

Die Höhe des Baukindergeldes richtet sich streng nach der Anzahl der Kinder bei Antragstellung, d. h. wächst die Familie zeitnah nach Einzug ist der spätere Kinderzuwachs von der jährlichen Förderung ausgeschlossen.

Die tickende Uhr mit den Antragsfristen

Bei Neubauten muss die Baugenehmigung zwischen dem 01.01.2018 und dem 31.12.2020 erteilt worden sein. Man muss also schon einen nicht unerheblichen Vorlauf mit der Einreichung der Anträge einplanen. Der Antrag muss spätestens 3 Monate nach dem Einzug in das selbst genutzte Wohneigentum durch den (Mit-)Eigentümer gestellt werden.

Maßgebend ist das in der Meldebestätigung angegebene Einzugsdatum.

Kein Rechtsanspruch

Ist das jährliche Fördervolumen ausgeschöpft , gehen die Antragsteller leer aus. Es besteht also gerade im letzten Quartal eines Jahres eine nicht zu unterschätzende Unsicherheit, ob man die Unterstützung erhält.

Wie ist das Programm nach den ersten Erfahrungen einzuschätzen?

Bis Jahresende wurden 56.435 Anträge bewilligt, vorrangig in den bevölkerungsreichen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (12.606), Baden-Württemberg (7.562), Niedersachsen (7.099) und Bayern (6.941). Aus den Stadtstaaten gingen jedoch sehr wenige Anträge ein, also dort, wo die Entlastung dringend notwendig ist. Bis Ende November betrafen gut 88 Prozent der Anträge den Erwerb von bestehenden Immobilien. Es wurde also kein bedeutender Impuls für die Schaffung neuen Wohnraums geschaffen, vielmehr wurde die Umwandlung von bisher vermietetem Wohnraum in Eigentum gefördert.

Mitnahmeeffekte

Wenn man sich ernsthaft mit dem Erwerb einer Immobilie beschäftigt und es auch bisher gut finanziell darstellbar ist, sind die EUR 1.200 pro Jahr ein schöner Beitrag für den jährlichen Familienurlaub. Aber ob angesichts der doch sehr hohen Baukosten die Förderung durch das Baukindergeld in der jetzigen Höhe wirklich den entscheidenden Anreiz darstellt, zu bauen, bleibt höchst zweifelhaft .

Fazit

Die drängende Wohnungsproblematik in Deutschland lässt sich durch das neu geschaffene Baukindergeld sicherlich nicht entscheidend entschärfen, vielmehr ist eher zu erwarten – wie schon die Erfahrungen mit der damaligen Eigenheimzulage gezeigt haben –, dass die staatliche Förderung die Baupreisentwicklung verschärft . Von daher wäre eine Absenkung der Grunderwerbsteuer für Familien oder auch die Schaffung von Sozialwohnungen in großem Umfang für die Wohnungsproblematik sicherlich in Summe der bessere Schritt gewesen.

Ihr Ansprechpartner

Michael Brenner

Steuerberater

E-Mail: michael.brenner@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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