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Das neue Optionsmodell für Personenhandelsgesellschaften

Möglichkeit zur Besteuerung wie eine Kapitalgesellschaft

Bisher existiert in Deutschland keine rechtsformneutrale Besteuerung. Während Kapitalgesellschaften durch Körperschaft- und Gewerbesteuer bei der Thesaurierung von Gewinnen einer Steuerbelastung von etwa 30 % unterliegen, sind Personenhandelsgesellschaften durch Einkommen- und Gewerbesteuer meist höher belastet. Das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts (KöMoG) soll es für Personenhandelsgesellschaften erstmals ab dem 01.01.2022 möglich machen, auf Antrag steuerlich wie eine Kapitalgesellschaft behandelt zu werden.


Eine politische Entscheidung

Die Diskussion zu solch einem Optionsmodell ist nicht neu. Schon in den 2000er Jahren gab es Vorschläge für Gesetzesänderungen. Auch im Ausland existieren solche Modelle schon seit mehreren Jahrzehnten, beispielsweise in den USA das „Check-the-Box“-Verfahren. Trotz allem führte erst die Corona-Krise 2020 zu einem erneuten Aufgriff des Themas durch die Politik. Nachdem das Bundeskabinett einen Entwurf des KöMoG im März 2021 vorbrachte, passierte dieser Ende Mai 2021 den Bundestag. Der Bundesrat hat dem Gesetz am 25.06.2021 zugestimmt.


Die Anwendung des Optionsmodells

Das neue Optionsrecht ist anwendbar für Personenhandelsgesellschaften, d. h. OHG, KG und GmbH & Co. KG, sowie für Partnerschaftsgesellschaften – nicht jedoch für eine bspw. vermögensverwaltende GbR. Durch die Abgabe eines unwiderruflichen Antrags beim zuständigen Finanzamt spätestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres wird das Wahlrecht ausgeübt; mit Antrag bis zum 30.11.2021 könnte also die Option für das Wirtschaftsjahr 2022 ausgelöst werden. Die Möglichkeit einer Rückoption gibt es jeweils vor Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres. Vor Antragsstellung ist ein Beschluss nach Maßgabe des Gesellschaftsvertrags notwendig.


Auswirkungen der Option

Durch die Ausübung des Optionsrechts richtet sich die Besteuerung der Personenhandelsgesellschaft nach den gleichen Regeln wie für Kapitalgesellschaften. Dies hat weitläufige steuerliche Auswirkungen – einmalig und laufend –, so dass vor Antragsstellung eine umfassende Analyse zu empfehlen ist.


Durch die Optierung kommt es aus steuerlicher Sicht zu einem Formwechsel nach den Vorschriften des Umwandlungssteuergesetzes. Eine steuerneutrale Umwandlung ist hiernach nur möglich, sofern sämtliche, zu den funktional wesentlichen Betriebsgrundlagen gehörenden Wirtschaftsgüter in die Kapitalgesellschaft eingebracht werden. Dieses Erfordernis ist auch für das steuerliche Sonderbetriebsvermögen zu beachten, d. h. Wirtschaftsgüter im Eigentum des Gesellschafters, die entweder an die Personenhandelsgesellschaft überlassen werden oder zur Stärkung der Position des Gesellschafters dienen. Diese Vorgabe wird regelmäßig bei der Planung einer Option zu Diskussionen bzw. Problemen führen und deshalb regelmäßig vorbereitender Gestaltungsmaßnahmen bedürfen.


Bei Einhaltung der (umwandlungs-) steuerlichen Voraussetzungen können mit einem fristgerechten Antrag die Buchwerte fortgeführt und somit die Aufdeckung stiller Reserven verhindert werden. Zu berücksichtigen sind hierbei insbesondere auch Verlustsituationen, weil etwaige Verlustvorträge regelmäßig verloren gehen und bei künftigen Verlusten nach Option eine Verrechnung mit anderen Einkünften des Gesellschafters grundsätzlich nicht möglich ist.


Da der aktuelle Gesetzesentwurf keine Mindestverweildauer in der Option vorsieht, ist prinzipiell eine Rückoption nach jedem Wirtschaftsjahr möglich. Hierbei muss beachtet werden, dass das Umwandlungssteuergesetz nach einem „Formwechsel“ regelmäßig eine 7-jährige Überwachungsfrist vorsieht und eine Rückoption während dieses Zeitraums schädlich für die Buchwertfortführung bei Option sein könnte. Außerdem bewirkt die Rückoption, dass in der Zwischenzeit thesaurierte Gewinne als ausgeschüttet gelten und vom Gesellschafter nachversteuert werden müssen. Eine sorgfältige steuerliche Analyse ist daher auch im Zusammenhang mit der Rückoption unerlässlich.


Die Steuerbelastung im Vergleich

Durch die Option erfolgt die Besteuerung der Personenhandelsgesellschaft wie die einer Kapitalgesellschaft mit Körperschaftsteuer (15 %) zzgl. Solidaritätszuschlag (5,5 %) sowie Gewerbesteuer (ca. 13-17 % je nach Gemeinde, allerdings ohne Anrechnungsmöglichkeit). Auf Ebene der Gesellschafter kommt es zu einer Änderung innerhalb der Einkunftsarten. Die Beteiligung an einer optierenden Personenhandelsgesellschaft führt steuerlich zu einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft. Ausschüttungen unterliegen somit der Kapitalertragsteuer von 25 % (ebenfalls ohne Anrechnung der Gewerbesteuer der Gesellschaft). Verlustvorträge aus der gewerblichen Tätigkeit in der Vergangenheit können nicht mehr mit den Kapitalerträgen verrechnet werden. Demgegenüber unterliegen die Gewinne bei der Personenhandelsgesellschaft (also ohne Option) – gleich ob Thesaurierung oder Entnahme – immer dem progressiven Einkommensteuersatz von bis zu 45 %, verbunden mit einer Anrechnung der durch die Personenhandelsgesellschaft gezahlten Gewerbesteuer.


Folgende Übersicht zur Veranschaulichung der Steuerfolgen:


Fazit

Für Personenhandelsgesellschaften, die regelmäßig einen größeren Teil der Gewinne thesaurieren, kann die Optionsbesteuerung als Kapitalgesellschaft vorteilhaft sein. Vor einer Option sollten die einmaligen steuerlichen Auswirkungen des Wechsels sorgfältig geprüft werden. Zusätzlich sind weitere Folgen eines Wechsels, wie bspw. bei den Vergütungen für Arbeitslohn, Gesellschafterdarlehen und Vermietungen, zu berücksichtigen. Die neue Möglichkeit zur Optierung wird zusätzliche Möglichkeiten für Steueroptimierungen bieten, es bedarf jedoch einer regelmäßigen Überprüfung sämtlicher Aspekte eines Wechsels und einer möglichen Rückoption.

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