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Umsatzsteuer aktuell

Aufgepasst, liebe Aufsichtsratsmitglieder!

Nach zweijähriger Bedenkfrist hat sich die Finanzverwaltung dazu durchgerungen, die von der Rechtsprechung entwickelten umsatzsteuerlichen Grundsätze für Aufsichtsratsmitglieder zu übernehmen. Mit dem druckfrischen BMF-Schreiben vom 08.07.2021 wird fortan – je nach Art der Vergütung – unterschieden, ob die Aufsichtsratstätigkeit insoweit als selbständiger Unternehmer oder auf nichtselbständiger Grundlage erbracht wird. 


Was ist neu?

Bislang gingen die Finanzbehörden stets davon aus, dass das Mitglied eines Aufsichtsrats (AR) ein selbständiger Unternehmer ist und seine Tätigkeit deshalb generell der Umsatzsteuer unterliegt.

Fortan muss danach differenziert werden, ob das AR-Mitglied ein Vergütungsrisiko trägt oder nicht:

  • Erhält der AR für sein Mandat eine nicht variable Festvergütung, ist er fortan nicht mehr selbständiger Unternehmer. Hierunter fallen insbesondere pauschale Aufwandsentschädigungen, die für die Dauer der Mitgliedschaft im AR gezahlt werden. Folge: Keine Umsatzsteuerpflicht der AR-Tätigkeit, d. h. Abrechnung ohne Umsatzsteuer-Ausweis; andererseits aber auch kein Vorsteuerabzug bspw. aus Reisekosten.
  • Achtung: Sitzungsgelder, die nur für eine tatsächliche Teilnahme an den AR-Sitzungen gezahlt werden, oder nach dem tatsächlichen Aufwand bemessene Aufwandsentschädigungen gelten nicht als Festvergütung. Gleiches gilt für sonstige Formen von variablen AR-Vergütungen. Folge ist, dass dem AR ein Vergütungsrisiko zuerkannt wird und er weiterhin selbständiger Unternehmer bleibt. Es muss also weiterhin mit Umsatzsteuer abgerechnet werden, andererseits kann insoweit auch vom Vorsteuerabzug Gebrauch gemacht werden (Ausnahme: Man ist Kleinunternehmer).
  • Und was passiert in Mischfällen, d. h. die Vergütung umfasst sowohl feste als auch variable Bestandteile? Für diesen Fall soll bereits dann eine selbständige Tätigkeit vorliegen, wenn die variablen Bestandteile mindestens 10% der gesamten Vergütung ausmachen. Bei der Verhältnisberechnung bleiben Reisekostenerstattungen außen vor.
  • Die Prüfung muss für jedes AR-Mandat separat erfolgen, d. h. möglicherweise ist ein Multi-AR für manche Mandate weiterhin als selbständiger Unternehmer tätig, in anderen Fällen jedoch nicht selbständig. Für mögliche Vorsteuerbeträge aus Gemeinkosten, bspw. aus notwendigem Equipment oder aus Beratungskosten, wäre eine Aufteilung vorzunehmen (unterjährig wohl in Form einer Schätzung).


Und ab wann sind die neuen Spielregeln zu beachten?

Im Grundsatz ab sofort – spätestens aber für AR-Tätigkeiten, die nach dem 31.12.2021 ausgeführt werden, d. h. für Leistungen bis Ende 2021 kann es jedenfalls durchgehend für sämtliche AR-Tätigkeiten bei der Abrechnung als selbständige Leistungen bleiben.

Theoretisch könnte man sich sogar für die Vergangenheit auf die neuen Regeln berufen, soweit die Umsatzsteuerfestsetzungen der betroffenen Jahre noch offen sind und sich hieraus eine vorteilhafte Situation ergibt – beispielsweise für die Gesellschaft, weil sie nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Aber Achtung: Eine Rückforderung der abgeführten Umsatzsteuer vom Finanzamt erfordert in jedem Fall eine Rechnungskorrektur und im Regelfall auch eine Rückzahlung der Umsatzsteuer an die Gesellschaft, deren Mandat man wahrnimmt.

Praxishinweis

Unabhängig von der umsatzsteuerlichen Würdigung bleibt es dabei, dass ein Aufsichtsrat für einkommensteuerliche Zwecke selbständige Einkünfte i. S. v. § 18 EStG erzielt – die Form der Vergütung spielt hier weiterhin keine Rolle.

Autor

Gerd Fuhrmann

Steuerberater

E-Mail:
gerd.fuhrmann@falk-co.de


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