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Neues zur ertragsteuerlichen Organschaft

Die sogenannte Einlagelösung soll einiges leichter machen

Im Fokus des Körperschaftsteuer-Modernisierungsgesetzes (KöMoG) steht das sog. Optionsmodell für Personengesellschaften (wir berichteten: Das neue Optionsmodell für Personenhandelsgesellschaften - FALK (falk-co.de)). Aber auch andere wichtige Themen fanden Eingang in dieses Gesetzeswerk – u. a. eine kleine Revolution bei der körperschaft-/gewerbesteuerlichen Organschaft: Die Technik zur Abbildung von Mehr- bzw. Minderabführungen mit Ursache in organschaftlicher Zeit wird geändert. 


Um was geht es?

Ein Organschaftsverhältnis setzt u. a. voraus, dass sich eine Tochtergesellschaft (Organgesellschaft) mittels eines Ergebnisabführungsvertrags verpflichtet, an die Muttergesellschaft (Organträger) ihren gesamten handelsrechtlichen Gewinn abzuführen, bzw. dass umgekehrt die Organträgerin einen bei der Organgesellschaft auftretenden handelsrechtlichen Verlust vollständig übernimmt. Mehr- bzw. Minderabführungen entstehen immer dann, wenn der an den Organträger abgeführte Gewinn bzw. der übernommene Verlust der Organgesellschaft von deren Steuerbilanzgewinn abweicht – weil in der Steuerbilanz der Organgesellschaft aufgrund bestimmter steuerlicher Regelungen beispielsweise bestimmte Rückstellungen nicht angesetzt werden dürfen oder abweichende Abschreibungssätze greifen. Für diesen Fall mussten bisher beim Organträger in dessen Steuerbilanz sog. steuerliche Ausgleichsposten gebildet werden (aktivisch bei Minderabführung infolge steuerlichen Mehrergebnisses bzw. passivisch bei Mehrabführung infolge steuerlichen Minderergebnisses). 


Und was bringt die Zukunft?

Die steuerlichen Ausgleichsposten, die aus organschaftlichen Mehr-/Minderabführungen resultieren, werden zugunsten einer sog. Einlagelösung abgeschafft, d. h. aufgelöst.

Mehrabführungen werden künftig als Rückzahlungen aus dem Einlagekonto (Einlagenrückgewähr) und Minderabführungen als Einlagen behandelt, d. h. sie mindern unmittelbar den Wert der Beteiligung an der Organgesellschaft in der Steuerbilanz des Organträgers.


Und ab wann gilt das?

Die neue Rechtslage gilt für Mehr-/Minderabführungen, die nach dem 31.12.2021 erfolgen. Für Unternehmen mit Wirtschaftsjahr gleich Kalenderjahr bedeutet dies, dass die Neuregelung erstmals im Wirtschaftsjahr 2022 greift.

Beim Organträger noch bestehende Ausgleichsposten für organschaftliche Mehr-/Minderabführungen wären ebenfalls im Wirtschaftsjahr 2022 zu Lasten bzw. zugunsten des Beteiligungsansatzes des Organträgers für die Organgesellschaft aufzulösen.

Praxishinweis

Bei abweichendem Wirtschaftsjahr der Organgesellschaft greifen die neuen Regelungen bereits für Mehr-/Minderabführungen, die nach dem 31.12.2021 erfolgen, also mit Ablauf des bereits laufenden Wirtschaftsjahrs 2021/2022. Dementsprechend sind beim Organträger mit abweichendem Wirtschaftsjahr bereits im laufenden Wirtschaftsjahr 2021/2022 ggf. noch bestehende Ausgleichsposten zugunsten/-lasten des Beteiligungsansatzes aufzulösen. Die neue Einlagelösung gilt ausdrücklich nur für organschaftliche Mehr-/Minderabführungen und somit im Umkehrschluss nicht für aus vororganschaftlicher Zeit resultierende Mehr-/Minderabführungen. Hier bleibt es bei der bisherigen Lösung, d. h. bspw. werden vororganschaftlich verursachte Mehrabführungen als Gewinnausschüttungen an den Organträger gewertet und dort als Beteiligungsertrag dem § 8b KStG (bei Personengesellschaften ggf. dem Teileinkünfteverfahren) unterworfen.

Autor

Dr. Stefan Tichy

Wirtschaftsprüfer Steuerberater

E-Mail:
stefan.tichy@falk-co.de


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