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Teilwertzuschreibung bei Fremdwährungsverbindlichkeiten

BFH bestätigt antizipative Verlustberücksichtigung aus Kursschwankungen auch bei langfristigen Verbindlichkeiten

Nach Auffassung der Finanzverwaltung und des BFH ist bei Fremdwährungsverbindlichkeiten, die eine Restlaufzeit von mindestens zehn Jahren haben, grundsätzlich davon auszugehen, dass sich Währungsschwankungen – auf die Laufzeit der Verbindlichkeit gesehen – ausgleichen werden. Eine gewinnmindernde und damit steuerlich wirksame Teilwertzuschreibung aufgrund des Kursanstiegs einer Fremdwährung ist nach diesem Grundsatz sehr schwer durchzuführen und zu begründen. Der BFH hat mit seinen Entscheidungen vom 10.06.2021 – IV R 18/18 und insbesondere vom 02.07.2021 – XI R 29/18 klargestellt, dass es von diesen Grundsätzen Ausnahmen gibt und bei bestimmten Gegebenheiten eine Teilwertzuschreibung zulässig ist.

Der Sachverhalt

In beiden Streitfällen ging es um Verbindlichkeiten in Schweizer Franken (CHF). Der Wechselkurs des CHF zum Euro stieg in den Folgejahren nach Aufnahme des Darlehens stark an. Daher stellte sich die Frage, ob eine Teilwertzuschreibung der Verbindlichkeiten in den Streitjahren möglich ist. Gleichzeitig teilte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im betroffenen Zeitraum mit, dass die Überbewertung des CHF eine Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft darstellt und kündigte an, Stützungskäufe zu tätigen, um den Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro zu halten. Dieser Mindestkurs stellte dabei bereits einen deutlichen Wertanstieg des CHF-Kurses im Vergleich zu den Jahren der Kreditaufnahme dar und führte damit zu einem höheren Teilwert der Verbindlichkeiten. Eine entsprechende gewinnwirksame Zuschreibung verneinte die Finanzverwaltung aber, da keine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliege.


Entscheidung und Kernaussagen des BFH

Die erfreuliche Nachricht: Der BFH hat in beiden Urteilen eine entsprechende Teilwertzuschreibung zugelassen. Die voraussichtlich dauernde Werterhöhung ist bei fundamentalen Veränderungen der wirtschaftlichen oder finanzpolitischen Daten auch für langfristige Fremdwährungsverbindlichkeiten gegeben. Im konkreten Fall war dies das unmittelbare Bevorstehen einer Währungskrise, die zusätzlich durch die unbegrenzten Stützungskäufe der SNB deutlich wurde. Aufgrund dieser Situation war faktisch ausgeschlossen, dass der CHF-Kurs wieder auf das Niveau vor Ankündigung der Stützungskäufe (sprich im Zeitpunkt der Kreditaufnahme) zurückfallen würde.


Dabei berechnet sich der Teilwert der Fremdwährungsverbindlichkeit aus dem Umrechnungskurs zum Bilanzstichtag. Für die Annahme der voraussichtlich dauernden Werterhöhung bedarf es objektiver Anzeichen am Bilanzstichtag. Mehr Gründe müssen für eine Werterhöhung sprechen als dagegen. Bei Beurteilung des Andauerns der Werterhöhung ist die Restlaufzeit der Verbindlichkeit maßgeblich. Umso kürzer die Laufzeit zum Bilanzstichtag ist, desto unwahrscheinlicher ist der Ausgleich der Kursschwankungen bis zur Tilgung. Somit bleibt zwar der Grundsatz des Ausgleichs von Kursschwankungen bei langer (Rest-)Laufzeit (i. d. R. mindestens zehn Jahre) weiterhin bestehen. Haben sich jedoch die Verhältnisse zwischen den betroffenen Währungsräumen aus Sicht des Bilanzstichtags so außerordentlich und nachhaltig geändert, dass nicht mehr mit einer Rückkehr zu dem Wechselkurs bei Darlehensaufnahme zu rechnen ist, ist eine Teilwertzuschreibung zulässig – und zwar unabhängig von der (Rest-)Laufzeit des Darlehens. Die wichtige Botschaft des BFH besteht also darin, dass auch bei (Rest-)Laufzeiten von mehr als zehn Jahren aus Sicht des Bilanzstichtags bei Eintritt von fundamentalen Ereignissen eine Teilwertzuschreibung in Betracht kommt.


Praxishinweis

Die Entscheidungen des BFH verdeutlichen die Wichtigkeit der Überprüfung bestehender Fremdwährungsverbindlichkeiten im Betriebsvermögen. In der Praxis ist zu überwachen, ob die entsprechenden Verbindlichkeiten aufgrund des Umrechnungskurses am Bilanzstichtag einen höheren Teilwert aufweisen. Im Einzelfall ist dann zu prüfen, ob Umstände bestehen, die auf ein Andauern des erhöhten Fremdwährungswechselkurses hinweisen. So kann durch vorweggenommenen Ansatz des Aufwands ein Zinsvorteil genutzt werden.

Dabei ist zu beachten, dass die Beweislast der voraussichtlich dauernden Werterhöhung beim Steuerpflichtigen liegt und ein Wahlrecht zum Ansatz des niedrigeren Wertes vorliegt, das aktiv ausgeübt werden muss. Des Weiteren muss in den Folgejahren der Teilwertzuschreibung überwacht werden, ob eine entsprechende Wertaufholung zum ursprünglichen Betrag durchzuführen ist oder die Werterhöhung fortbesteht.

Robin Habicht

Steuerberater

E-Mail:
Robin.Habicht@falk-co.de


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