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Alle Jahre wieder kommt der 15. Dezember, für die Kapitalanleger!

Wichtiger Stichtag für den Antrag auf Verlustbescheinigung

Sind im laufenden Jahr 2021 Verluste aus dem Verkauf von Aktien angefallen, sollte man in jedem Fall den Stichtag 15. Dezember im Blick behalten. Sofern die Aktienverluste nicht mit Gewinnen aus anderen Aktiengeschäften ausgeglichen werden können, sollte man sich rechtzeitig an seine Bank wenden und ggf. einen Antrag auf Bescheinigung der Aktienverluste stellen.

Die komplizierte Rechtslage …

Der Gesetzgeber hat für den Bereich der Kapitaleinkünfte ein komplexes Verlustverrechnungsregime geschaffen. Zu beachten ist zunächst die Grundregel, dass negative Kapitaleinkünfte nicht mit anderen Einkünften (bspw. aus gewerblicher oder (nicht-)selbstständiger Tätigkeit) verrechnet werden dürfen. Noch restriktiver werden realisierte Aktienverluste behandelt, die nur mit realisierten Aktiengewinnen verrechnet werden dürfen.

Verluste aus dem Verkauf oder der Ausbuchung von wertlosen Wertpapieren (Stichwort Wirecard) dürfen zwar auch mit anderen Kapitaleinkünften verrechnet werden, aber maximal in Höhe von 20 T-EUR p. a. Und Verluste aus Termingeschäften dürfen nur mit Gewinnen aus anderen Termingeschäften verrechnet werden, und zwar ebenfalls gedeckelt auf 20 T-EUR p. a. Und last but not least dürfen Verluste aus Altbeständen (Erwerb vor 2009) gar nicht verrechnet werden.


… ist möglicherweise verfassungswidrig …

Die Beschränkung der Aktienverluste hat mittlerweile den BFH auf den Plan gerufen und veranlasst, das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) anzurufen, da erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken bestehen. Nach Ansicht des BFH ist die allgemeine Verrechnungsbeschränkung für Kapitaleinkünfte ausreichend, so dass es keiner spezifischen Regelung für Aktienverluste bedarf. Diese Argumentation legt im Übrigen auch nahe, dass die neuen spezifischen Verlustverrechnungsbegrenzungen für wertlos gewordene Wertpapiere und Forderungen sowie für Verluste aus Termingeschäften den gleichen verfassungsrechtlichen Bedenken begegnen.


… und bedarf einer Aktion des Anlegers

Die Banken werden die erheblichen Bedenken des BFH nicht berücksichtigen können und weiterhin Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen, nicht aber mit anderen Kapitalerträgen verrechnen. Folglich werden zu Lasten dieser Kapitalerträge einbehaltene Kapitalertragsteuerbeträge nicht reduziert und somit definitiv. Die nicht verrechneten Aktienverluste werden bei der Bank ins neue Jahr vorgetragen und können nur mit zukünftigen Aktiengewinnen – sofern vorhanden – verrechnet werden.

Um ggf. von einer positiven Entscheidung des BVerfG profitieren zu können, ist es deshalb zwingend notwendig, dass die Aktienverluste in die persönliche Steuerveranlagung „transferiert“ werden. Hierzu bedarf es einer Verlustbescheinigung, die bis spätestens zum 15. Dezember des jeweiligen Verlustjahres bei der Bank beantragt werden muss.

Dieser Antrag ist im Übrigen auch dann sinnvoll, wenn beispielsweise bei einer Bank Aktiengewinne oder andere Kapitalerträge angefallen sind, wohingegen bei der anderen Bank nur Aktienverluste realisiert wurden. Nur über den Antrag auf eine Verlustbescheinigung sowie ggf. unter Ausnutzung einer hoffentlich positiven Entscheidung des BVerfG können die Verluste dann phasengleich mit den Gewinnen verrechnet werden.

Praxishinweis

Für Anleger mit Aktienverlusten ist der Antrag auf Verlustbescheinigung empfehlenswert. Für Anleger mit Depots bei verschiedenen Banken wird eine Verlustbescheinigung ebenfalls häufig sinnvoll sein.

Und auch für die Verluste aus anderen Töpfen, wie bspw. aus Termingeschäften, ist ein Antrag auf Verlustbescheinigung zu empfehlen, sofern der relevante Schwellenwert von 20 T-EUR überschritten wird. Denn die vom BFH angemeldeten verfassungsrechtlichen Zweifel sind aus systematischer Sicht analog auf die neu eingeführten Verrechnungsrestriktionen übertragbar.

Dr. Gregor Führich

Steuerberater

E-Mail:
gregor.fuehrich@falk-co.de


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