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An Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei

Das Pariser Klimaabkommen, der EU Green Deal, die UN-Agenda 2030, die Weltklimakonferenz COP26: Das Thema Nachhaltigkeit spielt die entscheidende Rolle für die Zukunft. Environmental – Social – Governance (ESG) ist in aller Munde. Die EU verfolgt den Weg zum einen mit dem Aktionsplan „Finanzierung des nachhaltigen Wachstums“, zum anderen mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und mit der geplanten Gesetzgebung zur Lieferkettenregulierung.

Über die CSRD und das deutsche Lieferkettengesetz haben wir im Rahmen unseres Newsletters bereits berichtet.

Heute geht es um die „Finanzierung des nachhaltigen Wachstums“.


Die Taxonomie-Verordnung

Die im Juni 2020 veröffentlichte Taxonomie-Verordnung ist Bestandteil des Aktionsplans zur „Finanzierung des nachhaltigen Wachstums“. Ziel der Verordnung ist es, Finanzströme in ökologisch nachhaltige Tätigkeiten zu lenken. Welche Wirtschaftsaktivitäten als „ökologisch nachhaltig“ einzustufen sind, wird auf Basis von sechs Umweltzielen definiert.


Bereits im Rahmen des Abschlusses 2021 müssen große, kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, die gemäß § 289b und § 315b HGB eine nicht finanzielle Erklärung abgeben, Informationen darüber offenlegen, wie und in welchem Umfang die Tätigkeit des Unternehmens mit als

ökologisch nachhaltig eingestuften Wirtschaftsaktivitäten verbunden sind. Auf dieser Basis sollen Investoren erkennen, welche Unternehmen nachhaltig bzw. umweltbewusst wirtschaften und damit ihre Investitionsentscheidungen unter Berücksichtigung von Umweltbelangen treffen können.


Anzugeben ist zukünftig der Anteil der Umsatzerlöse, der mit Produkten oder Dienstleistungen, die als ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten im Sinne der EU-Taxonomie-Verordnung gelten, erzielt wird. Außerdem ist der Anteil der Investitions- und Betriebsausgaben in Verbindung mit nachhaltigen Vermögensgegenständen oder Prozessen anzugeben.

Praxishinweis

Wirtschaftsaktivitäten gelten als ökologisch nachhaltig, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines oder mehrerer Umweltziele leisten, nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines oder mehrerer Umweltziele führen, unter Einhaltung bestimmter sozialer Standards ausgeübt werden und auch technischen Bewertungskriterien entsprechen. Die Angabepflicht kann nicht mit reiner Prosa erfüllt werden, sondern es müssen ganz konkrete Zahlenangaben zu den jeweiligen Bereichen gemacht werden.

Berichtspflichtige Nicht-Finanzunternehmen haben bereits bei der Veröffentlichung des Jahresabschlusses zum 31.12.2021 Angaben zum Anteil von „taxonomiefähigen“ bzw. „nicht taxonomiefähigen“ Wirtschaftsaktivitäten zu machen, außerdem eine Beschreibung der Vorgehensweise zur Berechnung dieser Anteile, Querverweise zur Finanzberichterstattung und weitere qualifizierte Informationen. Für Veröffentlichungen ab dem 01.01.2023 haben dann vollumfängliche Angaben unter Berücksichtigung der technischen Bewertungskriterien und der Umweltziele der Taxonomie-Verordnung zu erfolgen.


Grüne Finanzierung

Eine weitere Möglichkeit, Geld in nachhaltige Investitionen zu lenken sieht die EU-Kommission in der Entwicklung eines EU-Standards für Green Bonds, der im Juli 2021 veröffentlicht worden ist.


Auch für die Klassifizierung von Anleihen als „grün“ bildet die Taxonomie-Verordnung die Grundlage. Zusätzlich ist ein unternehmensspezifisches Rahmenkonzept inkl. einer verpflichtenden Berichterstattung über die Mittelverwendung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Umwelt vorgesehen.


Green Bonds, bei denen die Mittel zur Finanzierung eines „grünen“ Projekts verwendet werden müssen, stellen dabei das wohl am weitesten verbreitete Finanzinstrument dar. Weitere Arten „grüner“ Finanzierung sind die sog. Green Loans und in Deutschland auch vermehrt „grüne“ Schuldscheine.


Zusätzlich bieten Banken „grüne“ Finanzierungen – sogenannte ESG-gebundene Instrumente – an, deren Zinssatz von Nachhaltigkeitsfaktoren bzw. festgelegten Kenngrößen (z. B. CO2-Ausstoß) abhängig ist. Bei einer Verbesserung der Nachhaltigkeitsfaktoren bzw. einer Verringerung des CO2-Ausstoßes sinkt dann der Zinssatz.

Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit wird die Wirtschaft in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen: sei es bei Fragen der Unternehmenssteuerung einschließlich der nachhaltigen Unternehmensführung und der Zuordnung der unternehmerischen Aktivitäten in die EU-Taxonomie oder bei der Frage der Finanzierung von Investitionen. Hierbei wird die Steuerung über Zinsen durch Banken und Investoren eine wesentliche Rolle spielen.

Cornelia Linde

Wirtschaftsprüferin Steuerberaterin

E-Mail:
cornelia.linde@falk-co.de


Thorsten Bischoff

Wirtschaftsprüfer Steuerberater

E-Mail:
thorsten.bischoff@falk-co.de


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